Vom Lindener Bahnhof in den Tod

Nach wochenlangem qualvollem Aufenthalt in den Judenhäusern und provisorischen Lagern wurden am 15. 12. 1941  1001 hannoversche Männer, Frauen und Kinder in die Waggons der Reichsbahn gepreßt. Stadtarchiv Bielefeld 300-11_1941-2-20. Das Foto zeigt den Transport von Juden aus Ostwestfalen nach Riga.

 


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Gedenkstein am Bahnhof Fischerhof, Hannover- Linden
Der abgelegene Bahnhof in Linden  war  vom 15. 12. 1941 bis 11. Januar 1944  Ausgangspunkt  für Transporte von insgesamt 2174  Juden  nach Riga, Warschau, Auschwitz  und Theresienstadt. Sie waren zuvor im Sammellager der Israelitischen Gartenbauschule in Ahlem  zusammengezogen worden.  Im März 1943 wurden über 100 Sinti  von hier nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Häftlinge aus Ravensbrück, Mauthausen und Auschwitz trafen hier zur  Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie Hannovers ein.
Foto: Privat,  Karte: openstreetmap

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Mahnmal für die ermordeten Juden  Hannovers, Opernplatz
Entworfen vom italienischen Künstler Michelangelo Pistoletto. Text der zentralen Informationstafel:

"Dieses Mahnmal ist zur bleibenden Erinnerung an über 6800 Jüdinnen und Juden Hannovers errichtet worden: Viele Familien lebten hier seit Generationen. Ab 1933 wurden sie von den Nationalsozialisten gedemütigt, entrechtet, verjagt, in den Selbstmord getrieben oder getötet: Die verbliebenen jüdischen Kinder, Frauen und Männer mussten 1941 ihre Wohnungen räumen und wurden unter Mithilfe der Stadtverwaltung in „Judenhäusern“ zusammengepfercht. Von dort aus wurden sie ohne nennenswerten Widerstand der übrigen Bevölkerung aus der Bürgerschaft herausgerissen, deportiert und ermordet. Die Transporte gingen am 28. Oktober 1938 nach Polen, am 25. Juni 1939 nach Polen, am 15. Dezember 1941 nach Riga, am 31. März 1942 nach Warschau, am 23. Juni 1942 nach Theresienstadt, am 02. März 1943 nach Auschwitz, am 16. März 1943 nach Theresienstadt, am 30. Juni 1943 nach Theresienstadt, am 11. Januar 1944 nach Theresienstadt, am 20. Februar 1945 nach Theresienstadt. Es gab nur wenige Überlebende in Hannover: 27 wurden am 10. April 1945 im Sammellager Ahlem von Amerikanischen Soldaten befreit. Die Namen der Ermordeten, soweit heute bekannt, sind auf diesem Mahnmal verzeichnet. Errichtet 50 Jahre danach von einer hannoverschen Bürgerinitiative, unterstützt von vielen Bürger und von der Stadt Hannover: Hannover, 9. Oktober 1994."

Fotos: Privat, Karte: openstreetmap



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Deportation von Tausenden Menschen nach Riga, Warschau und Theresienstadt

Am 15. Dezember 1941 fand der erste Transport jüdischer Bürgerinnen und Bürger aus Hannover nach Lettland statt. 1001 Frauen, Männer und Kinder wurden damals vom  Bahnhof Fischerhof in das Ghetto Riga deportiert. Nur 67 Menschen überlebten.
In den Jahren von 1941 - 45 organisierte die Gestapoleitstelle Hannover acht Sammeltransporte von Juden. Das Einzugsgebiet, die Regierungsbezirke Hannover und Hildesheim, reichte von Diepholz im Nordwesten bis nach Göttingen und in den Harz hinein. Für die ersten sieben Transporte - bis Anfang 1944 - diente die Israelitische Gartenbauschule in Ahlem als Sammellager, wo die Juden zusammengeführt wurden. Die Verhältnisse dort engten sehr ein, teils lagerten die Menschen in einer Turnhalle auf strohbedecktem Boden.

 

In Ahlem kontrollierte die Gestapo penibel das Gepäck, ob es genauen Anordnungen entspreche; entwürdigend kontrollierte sie nackte

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Menschen selbst noch in ihren Körperhöhlen, ob nicht etwa Wertsachen versteckt wurden. Zu diesem Zeitpunkt waren die Juden oft schon längst verdrängt aus dem Erwerbsleben, von der Fürsorge abhängig, verarmt auch durch die Raubzüge diverser Behörden, durch Von Ahlem aus ging es in Kraftfahrzeugen weiter nach zum Bahnhof Fischerhof nach Linden. Von hier fuhr erstmals am 15. Dezember 1941 ein Deportationszug mit  1.001 Menschen aus Hannover nach Riga. Zwei große Transporte folgten, einer am 31. März 1942 nach Warschau, einer am 23. Juli 1942 nach Theresienstadt. In das letztgenannte Ghetto fuhren später auch kleinere Gruppen, eine kam direkt nach Auschwitz. Oftmals ging es über die vorläufigen Zielorte weiter in andere Lager und Ghettos.
Quelle: Julia Berlit-Jackstien/Karljosef Kreter.
Abgeschoben in den Tod. Die Deportation von 1001 jüdischen Hannoveranerinnen und Hannoveraner am 15. Dezember nach Riga. Schriften zur Erinnerungskultur Hannover.



Am 27. März 1942 wurden in der Sammelstelle Hildesheim jüdische Frauen und Männer für den Transport nach Osten von der Gestapo zusammengetrieben. Stadtarchiv Hildesheim, Bestand 951, Nr. 8377-12

Die SS verlegte das Besteigen der Züge auf den abgelegenen, veralteten Bahnhof Fischerhof in Linden. Aufnahme von 1920.                       Der November-Pogrom 1938 in Hannover, Schriften des Historischen Museums



Grenze zum Juden-Ghetto Riga. Vor der Ankunft der deutschen Juden ließ der Höhere SS- und Polizeiführer Ostland Friedrich Jeckeln, mehr als 26.500 lettische Juden, davon  21.000 Frauen und Kinder, erschießen.                               

Bundesarchiv, Bild 183-N1212-326 / Otto Donath


Massengrab bei Riga, undatiert. Die ermordeten hannoverschen Juden wurden im Wald vom Bikerniki bei Riga in Massengräbern verscharrt. „Landesarchiv NRW – Abteilung Westfalen – Archivsignatur, Q 234/Staatsanwalt-schaft Dortmund, Zentralstelle für die Bearbeitung von NS Massenverbrechen Nr. 64



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"Die Juden wurden als Menschen verbucht und als Vieh verladen.  http://www.mit-der-reichsbahn-in-den-tod.de/reichsbahnmehr.html
Die Deutsche Reichsbahn kassierte für jeden deportierten Juden 4,0 Reichspfennig pro Schienenkilometer. Der Tarif in den Tod entsprach der dritten Klasse. Für Kinder unter vier Jahren wurde nur der halbe Preis einbehalten.  Die Deutsche Reichsbahn hat am Völkermord gut verdient. In der Regel mussten die Opfer ihren Transport in die Vernichtungslager selbst zahlen und wenn dies nicht möglich war, hatte das Reichssicherheitshauptamt die Kosten zu tragen. -->

 

 

„ ...Die zuständige Stelle über die Durchführung der Judentransporte teilt mir mit, dass die Fahrtkosten für die Judentransporte aus den Mitteln ...beschlagnahmten jüdischen Vermögens zu decken sind“ (Hilberg, Raul: Sonderzüge nach Auschwitz)


Mit dem geraubten jüdischen Vermögen wurde die deutsche Reichsbahn bezahlt.

http://www.mit-der-reichsbahn-in-den-tod.de/reichsbahnmehr.html