Faktencheck für Schülerinnen und Schüler

 

Links: Eröffnungsfeier zur Maschsee-Einweihung 21.05.1936

Militäraufmarsch mit Hakenkreuzfahnen in der Karmarschstraße kurz vor der Osterstraße. Unter der Jahreszahl 1936 im Foto: das Konfektionsgeschäft der Gebr. Hirschfeld, Karmarschstraße 9-11, das am 10. November 1938 von den Nazis demoliert und geplündert wurde (-> Nacht der Zerstörung). Die jüdischen Gebrüder Hirschfeld mußten ihr Ladengeschäft 1939 "arisieren", das bedeutete: sie wurden gezwungen, ihr Geschäft für eine lächerlich geringe Summe an einen "Arier" zu übergeben. ("Arier" waren aus Sicht der Nazis Mitglieder einer angeblich geistig, politisch und kulturell überlegenen nordischen Menschengruppe, zu denen zwar Deutsche, aber nicht Juden, Sinti und Roma, Menschen anderer Hautfarbe - zum Beispiel Schwarze -  oder anderer Völker - wie zum Beispiel Polen und Russen - gehören sollten.)  Rechts: Karmarschstraße mit Blick zum Kröpcke
W. Hauschild-Archiv, Historisches Museum Hannover, Privat.



Nazi-Zeit in Hannover

Aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen

Foto von Ambar Simpang von Pexels

Nazi-Zeit in Hannover - warum soll mich das interessieren?
"Wer nichts weiß, muß alles glauben" schrieb Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach. Beim Lesen erkennst du, wohin "Nichtwissen" und "Alles glauben"  führen können:

Damals merkten nur wenige  Menschen, wie im Handumdrehen aus einer Demokratie eine menschenverachtende Diktatur entstand.

 

 

Du weißt Bescheid und kannst gegen extreme Meinungen, gegen Antisemitismus und gegen "Nichtwissen"  mit Fakten argumentieren.

 

Warum Hannover?
Weil die Spuren der Nazi-Barbarei nicht irgendwo, sondern dort zu sehen sind, wo du wohnst.

 

Bei mir in der Nachbarschaft?
Würde mich schon interessieren, aber ....

 

... wenn ich zu faul bin zum Suchen?
Bequemer geht's nicht: Zum ersten Mal sind hier unterschiedliche Informationen über die NS-Zeit in Hannover aus Websites, Sachbüchern und Dokumentationen gesichtet und für jedermann verständlich und kompakt zusammengestellt worden.

Kann ich das für die Schule gebrauchen?
Du sparst langes Suchen. Das könnte bei der Vorbereitung eines Referats oder für Facharbeiten z. B. in Deutsch, Geschichte, Sozialkunde sehr nützlich sein.



Rückblick Mai 1933:

Kundgebung 1933 gegen den Friedensvertrag von Versailles am Portal der Technischen Hochschule Welfengarten 1. Archiv Leibniz-Universität Hannover

 

 

Lesezeit: 3 Minuten

Die hannoversche  Studentenschaft und die Bücherverbrennung

Anfang Mai 1933 schien den Nationalsozialisten die Zeit reif, den „Volksgenossen“ vorzuschreiben, welche Schriftsteller und welche Bücher nicht mehr gelesen werden sollten.
Ein Eilantrag des Nationalsozialisten Deutschen Studentenbundes - Mitglied im Deutschen Studentenbund - nannte Ende April 1933 den Grund: die angebliche „schamlose Hetze des Weltjudentums
gegen Deutschland“. „Der jüdische Geist ..., wie er bereits im deutschen Schrifttum seinen Niederschlag gefunden hat, muss aus diesem ausgemerzt werden“. Jeder Student erhielt die Anweisung, seinen eigenen Bücherschrank  und auch die Schränke von Bekannten und die Regale öffentlicher Büchereien „zu säubern“.
An den Straßenecken in Hannovers Innenstadt verteilten Korporationsstudenten (das sind Mitglieder von Studentenverbindungen in traditioneller Festtagskleidung mit Mütze, engen weißen Hosen und Schaftstiefeln) Flugblätter. An den Litfaßsäulen klebten Plakate, die zur Abgabe von Schmutz- und Schundliteratur aufforderten -> Plakat "Kampf der deutschen Studentenschaft gegen Schmutz und Schund".

Abgegeben sollten z.B. Bücher von Theodor Lessing, Erich Maria Remarque, Heinrich Heine, Kurt Tucholsky, Thomas Mann und Erich Kästner an öffentlichen Sammelstellen:
Technische Hochschule, Tieräztliche Hochschule, Goethe-Gymnasium, Realgymnasium, Leibnizschule,

Das Buch zum Thema:

Projekt Erinnerungskultur
Karljosef Kreter und Julia Berlit-Jackstien
Kleine Schriften zur Erinnerung, Band 2
Hahn‘sche Verlagsbuchandlung

 

Humboldtschule, Staatliche und städtische Handwerker- und Kunstgewerbeschule.
Am Abend des 10. Mai 1933 marschierten in einem Fackelzug mindestens 700 Studenten, teilweise in SA-Uniformen, von der Technischen Hochschule Herrenhausen bis zum Bismarck-Denkmal in den Maschwiesen (jetzt Maschsee). Unter dem Jubel „einer unübersehbaren Menschenmenge“ (Hannover Anzeiger, 12.5.1933) und umrahmt von einem Meer von Hakenkreuzfahnen stapelten die Studenten tausende von "undeutschen“  Büchern zu einem Scheiterhaufen. Mit der Drohung, „ die deutsche Studentenschaft werde es nicht dulden, dass künftig noch einmal undeutsche Professoren an deutschen Hochschulen wirkten“ (!) und einem „dreifachen Sieg-Heil auf Führer und Reichskanzler Hitler“ wurde der Scheiterhaufen in Brand gesetzt.
Die „Ausmerzung undeutschen Schrifttums“ sollte der erste Schritt auf dem Weg zur „Ausmerzung“, zur Vernichtung von Menschen sein.
Von den studentischen Verbindungen, die 1933 dabei waren, sind heute noch mindestens 9 aktiv:
Burschenschaften Alt-Germania, Arminia und Germania, die Corps Hannovera, Saxonia und Slesvico-Holsatia, sowie die Turnerschaften Armino-Hercynia, Hansea und Tuisko.
Weder auf ihren Websites noch in ihren Rückblicken taucht ihre Beteiligung an der Bücherverbrennung auf, die meisten verschweigen die einstige aktive Unterstützung der Nationalsozialisten.

->  Bücher brennen

 



 

 

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