Faktencheck für Schülerinnen und Schüler

 

Der Schwarze Bär im Fahnenschmuck zum Erntedankfest, um 1936. Quelle: Sammlung Arndt
Lange galt Linden mit dem Platz "Schwarzer Bär"  als ein politisch rotes Viertel. "Nach 1933 dauerte es nicht lange, da war der Stadtteil eine riesige Rüstungsschmiede; da lieferten gewesene Sozialdemokraten und Kommunisten Panzer, Geschütze, Munition für Hitlers Truppen; sie lieferten sich selbst, ihre Söhne und – weniger – ihre Töchter für den großen Vernichtungsfeldzug ...." Zitat aus "Linden und der Nationalsozialismus: Abgesang auf den Mythos" von Dr. Heiko Arndt.
http://www.lebensraum-linden.de/stationen/freiheit-und-demokratie/linden-und-der-nationalsozialismus-abgesang-auf-den-mythos/

 

Während des Zweiten Weltkrieges befand sich am Schwarzen Bär ein Lager für Zwangsarbeiter. Im Oktober 1943 wurden zahlreiche Gebäude - wie das namensgebende Hotel und Gasthaus Schwarzer Bär (heute: Schwarzer Bär 8), ein prachtvoller Jugendstilbau, (rechts im Bild mit Schriftzug Lindener Cafe) -  bei den Luftangriffen auf Hannover zerstört.
https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzer_B%C3%A4r_(Hannover)#cite_note-1

Foto unten: privat

 

Der Vergleich "Historische Fotos Hannover/Heute" wechselt ca. monatlich. Vorschau: Café Kröpcke 1939, Wachablösung Polizeipräsident Lutze Georgstraße 1935



Nazi-Zeit in Hannover

Aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen

Foto von Ambar Simpang von Pexels

Nazi-Zeit in Hannover - warum soll mich das interessieren?
"Wer nichts weiß, muß alles glauben" schrieb Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach. Beim Lesen erkennst du, wohin "Nichtwissen" und "Alles glauben"  führen können:

Damals merkten nur wenige  Menschen, wie im Handumdrehen aus einer Demokratie eine menschenverachtende Diktatur entstand.

 

 

Du weißt Bescheid und kannst gegen extreme Meinungen, gegen Antisemitismus und gegen "Nichtwissen"  mit Fakten argumentieren.

 

Warum Hannover?
Weil die Spuren der Nazi-Barbarei nicht irgendwo, sondern dort zu sehen sind, wo du wohnst.

 

Bei mir in der Nachbarschaft?
Würde mich schon interessieren, aber ....

 

... wenn ich zu faul bin zum Suchen?
Bequemer geht's nicht: Zum ersten Mal sind hier unterschiedliche Informationen über die NS-Zeit in Hannover aus Websites, Sachbüchern und Dokumentationen gesichtet und für jedermann verständlich und kompakt zusammengestellt worden.

Kann ich das für die Schule gebrauchen?
Du sparst langes Suchen. Das könnte bei der Vorbereitung eines Referats oder für Facharbeiten z. B. in Deutsch, Geschichte, Sozialkunde sehr nützlich sein.



Geschichtsunterricht "zum Anfassen":

Täter vor Ort - Schülerinnen und Schüler forschen zur NSDAP in Hannover

Lesezeit: 90 Sekungen

Schülerinnen und Schüler der Albert-Einstein-Schule Laatzen, der St. Ursula-Schule, der Goetheschule und der Humboldtschule in Hannover schlossen eine Lücke in der Forschung über die NS-Geschichte Hannovers. Sie wollten wissen: waren nur einige wenige Haupttäter an den Verbrechen der Nazis beteiligt oder gab es viele kleine Täter in der Nachbarschaft, die den Boden für die unmenschlichen Taten der NS-Zeit bereiteten?

Um den Blick zu weiten, fanden 2016 Exkursionen zur Gedenkstätte Ahlem und zu zwei weiteren Gedenkstätten statt. Ermöglicht wurden diese Exkursionen durch Förderung der Robert-Bosch-Stiftung. Die Goetheschule forschte in den Archiven des Stadtarchivs im Norden Hannovers, die St. Ursula-Schule in der Südstadt, die Humboldtschule in Linden, Ricklingen und der List, die Albert-Einstein-Schule in Döhren und Wülfel nach Ortsgruppen der NSDAP in Hannover. 

Im August 2018 erweiterte  sich die Suche nach NS-Funktionären auf das Bundesarchiv in Berlin. Die Schülerinnen und Schüler konnten den ehemaligen Kreisleiter und Stadtrat Wilhelm Bakemeier, den Kreisleiter und Gauleiterstellvertreter Knop und die Gauschatzmeister Karl Reich aus Hannover identifizieren.

Welche Rolle spielten die Blockleiter in Hannover? Die Schülerinnen und Schüler der Humboldtschule fanden heraus:  Ein Blockleiter in Ricklingen z.B. war für die Bewohner der jeweiligen Hausnummern eines Häuserblocks - von den Nazis Zelle genannt - zuständig. Die damalige Zelle 14 wird heute von der Konrad-Hänisch-Straße, Bebelstraße und Heinrich-Meister-Straße umgrenzt. Der Blockleiter überwachte z.B. lückenlos die darin lebenden Familien und berichtete über die Einstellung der Personen zum NS-Regime oder ob Juden noch in den Haushalten lebten.

Skizze der Zelle 14 nahe dem heutigen Friedrich-Ebert-Platz. Für jede Hausnummer gab es einen zuständigen Blockleiter, der die Familien überwachte. Die Straßen sind heute umbenannt - siehe Karte rechts.

Die jungen Forscher im Seminarfach der St. Ursula-Schule entdeckten, dass  Mitglieder der SA in Zivil in der Maschstraße, in der Geibelstraße und am Engesohder Friedhof "Streife" gingen, um die Stimmung der Gäste in den Gastwirtschaften zu erkunden und abfällige Äußerung zur NSDAP zu melden.

Ausschnitt aus dem Bericht eines Blockleiters der Zelle 14

Im November 2018, rechtzeitig zum 80. Jahrestag der Novemberpogrome,  konnten die Ergebnisse in einer Ausstellung der Gedenkstätte Ahlem der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Die Schülerinnen und Schüler zeigten, wie die „kleinen“ Funktionsträger für die Stabilität der NS-Diktatur in Hannover sorgten, dabei zu Tätern wurden und zum Teil beachtliche Karrieren machten oder in unterschiedlichen Umfang zu Nutznießern der NS-Verbrechen wurden.

Damit ist das Projekt nicht beendet - im Gegenteil. Das Historische Seminar der Leibniz-Universität unter der Leitung Dr. Anton Weise hatte das Projekt "Täter vor Ort" angestoßen und ins Rollen gebracht. Jetzt es wird mit dem Gymnasium Burgdorf und der Albert-Einstein-Schule fortgeführt.

Anton Weise (Hrg.)
Täter vor Ort
Schülerinnen und Schüler forschen  zur NSDAP und ihren Gliederungen in Hannover
JMB-Verlag, Hannover. Ladenpreis 19.80 €





Besuchermeinungen

"Die Web-Seite NS-Zeit-Hannover.de zeigt an zahlreichen Beispielen, dass die Herrschaft der Nationalsozialisten keine abstrakte Historie ist, sondern in der eigenen Stadt bis weit in die Gesellschaft hinein wirksam war. Damit leistet die Web-Seite im besten Sinne Aufklärungsarbeit zu vielen bisher unbekannt gebliebenen Ereignissen und längst vergessenen Personen der Zeit des Nationalsozialismus in Hannover. Für Bildung und Weiterbildung findet sich hier eine informative und faktenreiche Quelle, die ein dunkles Kapitel hannoverscher Geschichte erhellt."
Dipl.-Päd. Thomas Bertram, Zentrale Einrichtung für Weiterbildung der Leibniz Universität Hannover

 

"Der Nationalsozialismus ist ein wesentlicher Teil deutscher Geschichte mit weltweiten Auswirkungen, der zunehmend nur noch als Abstraktum oder sogar als „negativ Episode“ wahrgenommen wird. Das, was betrifft, berührt - fördert Wissensdrang, Empathie und Handlungen. Die Website ermöglicht Schüler*innen einen leichten und informativen

 

Zugang zur Regionalgeschichte und konfrontiert mit einem unmittelbar feststellbaren Bezug zur eigenen Wirklichkeit, sodass „Bewusst-werden“ Bewusstsein und demokratische Haltung fördern kann und sollte." Julia Granitza, Sophienschule Hannover

 

"Als Pädagoge an der Gedenkstätte Wolfenbüttel und praktizierender Lehrer finde ich die Idee hinter ihrer Homepage sehr lobenswert und werde sie auch meinen Schüler*innen ans Herz legen."
Robert Heldt

 

"Wissen + Verstehen = Anwenden!" ist ein gelungener didaktischer Ansatz zur Information über die Diskrimierung in der NS-Zeit. Da es kaum noch Zeitzeugen gibt, die authentisch über ihre Erlebnisse berichten können, brauchen junge Menschen einen Zugang zu den damaligen Ereignissen, wie die Homepage NS-Zeit-Hannover.de ihn gelungener Weise bietet. Als ehemalige Politiklehrerin ist mir auch der Bezug zu rechtsradikalen Tendenzen heute wichtig."  Brigitte Helm, ehemalige Studiendirektorin der Sophien-Schule



 

 

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