Die Geheimpolizei folterte in der Schlägerstraße und im Keller der Stadtbibliothek Hildesheimer Str.

Bei Vernehmungen in der Hauptverwaltung des ehemaligen jüdischen Gumbelkonzerns in der Schlägerstraße 55/Ecke Ostermannstraße ab 1936 und später im  Keller der Stadtbibliothek Hildesheimer Straße  wurden Verdächtige brutal gefoltert. Stadtarchiv Hannover, Kps-Nr. 3099


Die Gestapo-Leitstelle Hannover

zog ab Mitte 1944 nach der Zerstörung des Hauptgebäudes des jüdischen Gumbelkonzerns in der Schlägerstraße in die Gebäude der Stadtbibliothek Hildesheimer Str. 12 und fungierte u.a. als Meldestelle für die letzte Deportation von Juden aus Hannover im  Februar 1945.

Die Teile der Inschrift, die sich auf das Geschehen von 1943 - 1945 beziehen, sind historisch nicht richtig. 

Foto: Privat, Karte: openstreetmap

Gedenkstätte Ahlem, Heisterberg Allee 10

Die vom jüdischen Bankier und  Hobbygärtner Moritz Simon 1893 gegründete Israelitische Gartenbauschule Ahlem nutzten die Nazis ab Herbst 1941 als Sammelstelle für die Deportation von mehr als 2000 Juden aus dem Bereich der Gestapoleitstelle Hannover.  Ab Februar 1942  pferchte die Gestapo Menschen in ein Judenhaus auf dem Gelände. Ab Oktober 1943 zog eine Aussenstelle der Gestapo in das ehemalige Direktorenhaus. Zwangsarbeiter  wurden misshandelt und  mindestens 59 von ihnen erhängt.. 

https://www.hannover.de/Kultur-Freizeit/Architektur-Geschichte/Erinnerungskultur/Gedenkst%C3%A4tte-Ahlem/Die-Geschichte-des-Ortes

Foto: Dietmar Geyer, Karte: openstreetmap



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Terror der Gestapo

Von Berlin im berüchtigten Judenreferat  des RSHA unter Adolf Eichmann wurde die fabrikmäßige Ermordung von über 6 Millionen Juden organisiert. Die hannoversche Gestapo - zuständig für die Regierungsbezirke Hannover und Hildesheim  - operierte ab 1933 vom Polizeipräsidium in der Hardenbergstraße. Ab 1936 wurde die Hauptverwaltung in die Gebäude des ehemaligen jüdischen Gumbel-Konzerns verlegt.


Nach Zerstörung der Gebäude in der Schlägerstraße 1943 durch Bomben zog die Gestapo-Leitstelle in die Gebäude der Stadtbibliothek und fungierte u.a. als Meldestelle für die letzte Deportation von Juden
aus Hannover im Februar1945.

Ohne Rücksicht auf Gesetze bespitzelte die Geheime Staatspolizei (Gestapo) Regimegegner und schaltete sie aus.
Gestapo und die Kriminalpolizei  konzentrierten sich auf den Kampf gegen politische Gegner, aber       
auch auf die Verfolgung von religiösen Minderheiten wie Juden, Zeugen Jehovas, Freimaurer, Homosexuelle und „Asoziale“ und „Arbeitsscheue“.

Schutzhaft - häufig ein Todesurteil
Wichtigstes Instrument  der Gestapo war die „Schutzhaft“, für die es keine Befristungen und richterlichen Überprüfungen gab.
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Vollstreckt wurde die Schutzhaft in den von der SS geführten Konzentrationslagern, was für viele  politische Gegner den Tod bedeutete. 
Nicht selten gab es schon bei der schriftlichen Einweisung den Vermerk „Rückkehr unerwünscht“.

Gefürchtet wurde die Gestapo wegen ihrer grausamen Foltermethoden: für die „verschärfte Vernehmung“ wurden Gummiknüppel, Peitsche und Ochsenziemer verwendet.


Während des Krieges erweiterte die Gestapo ihre Zuständigkeit auf Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter. "Vergehen" wie Bummelei, Sabotage, unerlaubter Umgang mit Deutschen,
sexueller Verkehr und Widerstand verfolgte die Gestapo mit unglaublicher Brutalität  - bis zur 'Sonderbehandlung' (Tarnwort für Hinrichtung im Sprachgebrauch der Gestapo).


Die Verfolgung, Deportation in Ghettos und Ermordung der europäischen Juden in Konzentrations- und Vernichtungslagern oder in den Wäldern Osteuropas gehört zu den schrecklichsten Kapiteln der NS-Zeit.



Zum ,Schutz der Volksgemeinschaft‚ verhaftete die  Gestapo  ,kriminelle Wiederholungstäter', Bettler, Gelegenheitsarbeiter, Obdachlose, Landfahrer, ledige Mütter mit Kindern unterschiedlicher Väter, Prostituierte, ,Menschen mit unsittlichem Lebenswandel', Alkoholiker usw. Sie bildete mit 10 000 Personen die größte Häftlingsgruppe in den Konzentrationslagern. Zeitungsbericht von 1940. Quelle: Gedenkstätte Neuengamme

Schutzhaftanordnung für einen "unverbesserlichen Homosexuelle" aus 1940. Der damals 39jährige Häftling soll einige Woche später im Konzentrationslager Sachsenhausen gestorben sein. QueLLe: Gemeinfrei

Über 100.000 Homosexuelle wie der Hannoveraner Friedrich Schwarz – Foto ca. 1939 - wurden polizeilich erfasst, über 50.000 wegen „Anschlag auf Wehrfähigkeit und Manneszucht“ verurteilt und 5.000 – 7.000 in den KZs ermordet. „Friedel“ Schwarz starb 1943 im KZ Neuengamme. Quelle: NLA Hannover Hann.86 Celle, Acc.142/90 Nr. 1464



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Von der Israelitischen Gartenbauschule zum Judenhaus und zur Folter- und Hinrichtungsstätte
Die 1893 von Moritz Simon in Ahlem gegründete  Gartenbauschule als  „Israelitische Erziehungs-Anstalt“ umfasste eine jüdische Volksschule mit  Werkunterricht, Sport und  Schulgarten sowie eine dreijährige  Gärtnerausbildung.  Von 1903 bis 1921 konnten Mädchen auf dem Gelände  eine Hauswirtschaftsschule besuchen.

Das Schulgelände wurde vom Herbst 1941 bis Januar 1944 die Gestapoaußenstelle unter Leitung des SS-Sturmführers Heinrich Joost  und ->>

zum Sammelpunkt für die Transporte in Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager aus dem Bereich Hannover-Hildesheim nach Riga, Theresienstadt, Warschau und Auschwitz.
Von  den 2173 über Ahlem deportierten Männer, Frauen und Kinder haben nur 144 überlebt.


Ab Juli 1944  nutzte die Gestapo das ehemalige Haupthaus als Gefängnis für mehrere hundert Häftlinge, hauptsächlich Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. In einem Raum im Keller, in der Nähe der Büros, im Garten wurden Menschen gefoltert.

Gestapoangehörige  erschossen 154 Häftlinge aus Ahlem auf dem Seelhorster Friedhof am  6. April 1945.


Nur 4 Tage später -  am 10. April – wurde auch das Schulgelände Ahlem von den Alliierten befreit.



Israelitische Gartenbauschule in Ahlem: Im Hauptgebäude (großes Haus) sperrte die Gestapo mehrere hundert Häftlinge ein. Festschrift "100 Jahre Israelitische Erziehungsanstalt".

Kurz vor Kriegsende 1945: In einer fensterlosen grünen Hinrichtungsbaracke am Appellplatz wurden von der Gestapo fast täglich Häftlinge an einem Galgen stranguliert, bis sie qualvoll erstickten. Die Gestapo brannte die Hinrichtungsbaracke Anfang 1945 ab. Abbildung konstruiert aus dem Gedächtnis von Zeitzeugen. Archiv JvSt

In den Kellerräumen des Direktorenhauses, aber auch in der Nähe der Büros wurden Häftlinge während der  Verhöre von der Gestapo gefoltert.

Foto:  Dietmar  Geyer 2017



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Die Gestapo war berüchtigt für ihre brutalen Foltermethoden, um Geständnisse zu erzwingen. Sie hatte 1937  nur rund 7.000 Bedienstete (Einwohner Deutsches Reich 1933: ca. 65 Mio.) und war auf die aktive Mitarbeit der Bevölkerung angewiesen. V-Leute in der sozialdemokratischen und

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kommunistischen Arbeiterschaft wie auch dem katholischen Millieu  wurden mit Androhung von Schutzhaft erpresst. Denunziationen aus der Mitte der Bevölkerung gingen zu einem erheblichen Teil von obrigkeitshörigen, wenig vermögenden, einkommens- und bildungsschwachen sozialen Kreisen aus und richteten sich überdurchschnittlich häufig gegen höhere soziale Schichten der Gesellschaft.



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