Bombastische Bauten in der Gauhauptstadt Hannover               Hitler befahl ein überdimensionales Parteiforum am Maschsee

Neugestaltung der Gauhauptstadt Hannover: Stadtbaurat Karl Elkart beschreibt dem Stellvertreter des Führers Rudolf Hess (3. von l.) und dem Gauleiter Hannover- Süd/Braunschweig Hartmann Lauterbacher (2. v. l.) am 19. Januar 1941 das neue Stadtmodell.

Historisches Museum Hannover 019425

Hitler befahl die Errichtung des Parteiforums am Maschsee. Vom Ostufer aus gesehen von links nach rechts: die Halle der Volksgemeinschaft, der 100 m hohe Glockenturm, die Gebäude von Reichsstatthalterei, Gauleitung und Deutsche Arbeitsfront. Zeichnung von Carl Cravatzo, 1938.

Historisches Museum Hannover, 061629

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Die Nationalsozialisten wollten Städte wie Hannover mit überdimensionalen Prachtbauten umwandeln. Größe, Masse und Material - so die perfide Ansicht - drückten höhere Kultur und damit der Überlegenheit der arischen Rasse aus. Der einzelne deutsche „Volksgenosse“ hatte sich klein und unbedeutend fühlen. Damit diente die NS-Architektur dem Ziel, die Menschen einzuschüchtern, um sie leichter für die geplanten Kriege zu lenken.
Errichten sollten die bombastischen Nazi-Bauten verschleppte Zwangsarbeiter aus eroberten Ländern.

In Hannover bot nach Meinung Hitlers die Umgebung des Maschsees den idealen Standort für das neue Parteiforum. Der gerade 3 Jahre alte Maschsee müsse auf das Doppelte erweitert werden, so sah es der „Erlass des Führers und Reichskanzlers über städtebauliche Maßnahmen in der Stadt Hannover“ vom 16.4.1940 vor. (Quelle: Geschichte der Stadt Hannover, herausgegeben von Klaus Mlynek und Waldemar Röhrbein, Band 2,  Schlütersche Verlagsanstalt und Druckerei, 1994)
An seinem Westufer waren die Gebäude der Reichsstatthalterei, der Gauleitung und der Deutschen Arbeitsfront vorgesehen.

Aus großer Entfernung erkennbar: der 100 m hohe

 

Glockenturm, das künftige Wahrzeichen des neuen Parteiforums. Weit in den See hinein ragte die große Halle der Volksgemeinschaft, die Niedersachsenhalle, mit über 30.000 Sitzplätzen.
Im Modell befindet sich hinter der Niedersachsen-halle das Station für 60.000 Zuschauer. Davor sollte für Truppenparaden der große Aufmarschplatz mit Tribüne am Ufer der Ihme errichtet werden.  (Quelle: Karl Elkart, Neugestaltung der Hauptstadt Hannover, Protokoll der Ratssitzung am 12.3. 1940, Stadtarchiv Hannover)

Die von Hitler befohlenen und von den deutschen „Volksgenossen“ fast ausnahmslos ohne Widerspruch durchgeführten Angriffs- und Vernichtungskriege auf die europäischen Nachbarstaaten und der beginnende Rückzug nach dem Überfall auf die Sowjetunion bereiteten den Planungen  am 2. April 1942 das Ende.


Nichts wurde realisiert - ausgenommen die Fundamente für die Tribüne des geplanten Aufmarschplatzes. Sie diente als Gaugefechtsstand und wurden nach Kriegsende von den Engländern gesprengt. Die Reste liegen unter den westlichen Grünanlagen des Niedersachsenstadions.



Architekturmodell des Parteiforums 1941 am Nord-/Ostufer des Maschsees. Die große Halle der Volksgemeindschaft  ragt in den See hinein, rechts daneben die Gebäude des Parteiforums. Links oben das Stadion, rechts der Aufmarsch-platz mit Tribünen, dahinter die Brücke über die Ihme.

Historisches Museum Hannover 003996

Architekturmodell des Parteiforums 1941 vom Westufer aus gesehen. Im Vordergrund die Ihmebrücke, gefolgt vom großen Aufmarschplatz. Am Maschseeufer die Parteigebäude und die Frontseite der Halle der Volksgemeinschaft. Links oben das Neue Rathaus, rechts unten das geplante Station.

Historisches Museum Hannover, 061626

Blick am Westufer nach Süden auf den 100 m hohen Glockenturm. Rechts Bauten für Reichstatthalterei bzw. Oberpräsidium. Skizze von 1938

Historisches Museum Hannover, 022480

 

 

Modell der Monumentalgebäude für Gauleitung und Deutsche Arbeitsfront 1941

Historisches Museum Hannover, 061628